Marie Velardi, îles perdues (Lost Islands), 2014
33 Zeichnungen, Tinte, Aquarell und Bleistift auf Papier
Courtesy the artist
Was wir über die Auswirkungen des Klimawandels auf die Weltmeere wissen und worauf wir uns vorbereiten müssen
Eine Traumreise in die gemeinsame Zukunft an unseren Küsten
Mit Dr. Martina Karle, Niedersächsisches Institut für historische Küstenforschung (NIhK) & Cai-Olaf Wilgeroth, Ostfriesische Landschaft
Das Thema untergehender Inseln schafft Verbindungen zu historischen, aktuellen und zukünftigen Herausforderungen der menschlichen Existenz, vor allem im dynamischen Spannungsfeld der Meere und Küsten zur Zeit des Klimawandels. Im Pazifischen Ozean ‚versinken‘ heute schon Inseln, weil der steigende Meeresspiegel die Sicherung der Eilande für die dortigen Menschen unmöglich macht (Tuvalu). Ganz anders in Mitteleuropa: Wir leisten uns den fortwährenden Schutz unserer künstlichen Küstenverläufe und Lebensräume und wenden die dafür erforderlichen Mittel weiterhin auf. Dabei missachten wir drängende Fragen der Zeit und grundlegende Abläufe der Natur. Den Aufwand finanzieren wir aus einem wirtschaftlichen und gesellschaftlichen System heraus, das Kosten auf Dritte verlagert und an anderen Orten negative Auswirkungen hat. Zudem finanzieren wir die Schutzmaßnahmen aus der Zukunft heraus vor und leben bei den nachfolgenden Generationen auf Pump – finanziell und ökologisch. Denn die natürlichen Dynamiken unserer Landschaft kollidieren immer mehr mit der statischen Vorstellung des Küstenschutzes. Das verweist auch auf historische Zeiten: Wer nicht will weichen, muss deichen? Dieser uralte Grundsatz steht heute auf dem Prüfstand.
All das erklärt sich aus der als übergroß wahrgenommenen Distanz zum sichtbaren Problemhorizont – sei es geographisch oder zeitlich. Denn dass der Klimawandel schon vor der Haustür steht, wird nach wie vor abgepuffert oder ignoriert. Es greifen psychologische Verdrängungsmechanismen, aber auch bestimmte Interessen.
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